BERLIN – ECKE SCHÖNHAUSER…

 

Samstag, 13. August:
Thema: Jugendkultur

18.30 Uhr:
BERLIN – ECKE SCHÖNHAUSER… (Gerhard Klein, DDR 1957), 35mm, s/w, 81′
Filmforum Höchst
web_Berlin - Ecke Schönhauser_1_Copyright_DEFA-Stiftung_Siegmar Holstein_Hannes SchneiderAuch die DDR-Filmgeschichte hat ihre spannenden Skandalfilme vorzuweisen. Werke, die trotz großen Widerstands der Zensur oder der politischen Leitung – im Gegensatz zu den berüchtigten „Verbotsfilmen“ – regulär in die Kinos kamen und sogar veritable Publikumserfolge wurden. Eines von zwei Beispielen in unserer Reihe stellt BERLIN – ECKE SCHÖNHAUSER dar (neben DER LACHENDE MANN), ein zur Hochzeit der sogenannten „Halbstarken“-Filme entstandenes, durchaus schonungsloses Portrait der zeitgenössischen Jugend, die gegen die Erwachsenenwelt und ihre Institutionen rebelliert und sowohl starke Worte wie auch gefährliche Waffen in diesem auflehnenden Kampf einsetzt. web_Berlin - Ecke Schönhauser_2_Copyright_DEFA-Stiftung_Siegmar Holstein_Hannes SchneiderHier sind es die Jugendlichen Dieter, Kohle, Karl-Heinz und Angela, die sich unter der U-Bahn-Brücke Schönhauser Allee treffen. Unter anderem in oft ausartenden Mutproben suchen sie ihren zumeist häuslichen Frust vorübergehend zu vergessen. Karl-Heinz zieht Dieter und Kohle in seine dunklen Geschäfte hinein. Nach vermeintlichem Totschlag fliehen die drei Jungen nach Westberlin… Schon Wolfgang Kohlhaases Szenario wurde von den Zensurbehörden ob seiner Konzentration auf die „negativen, kritischen“ Erscheinungen des ostdeutschen Lebens bemängelt. Trotz fehlender Produktionsbestätigung begann Gerhard Klein die Dreharbeiten und letztlich erlaubte die Hauptverwaltung Film – die zentrale Filmeinrichtung der DDR – den Kinostart nur knapp. Der Film avancierte in der DDR zu einem großen Publikumserfolg. In der BRD dagegen wurde er ironischerweise, trotz seiner neorealistischen Darstellung der Unvollkommenheiten des Lebens in der DDR, über Jahre hinweg vom Interministeriellen Ausschuss für Ost-West-Filmfragen verboten.