Filmprogramm – 66 Jahre Studierendenhaus

 

Mit dem Programm OUR HOUSE – Festival der Selbstverwaltung wird am Samstag, 23. Februar 2019 an die Einweihung des Studierendenhauses auf dem Campus Bockenheim (Mertonstraße 26-28, 60325 Frankfurt am Main) vor 66 Jahren erinnert. Seit dem Februar 1953 ist dieses ein Ort der kulturellen Vielfalt und der kritischen Auseinandersetzung. Ausrichter der Jubiläumsveranstaltung ist das Offene Haus der Kulturen, welches das Gebäude in zwei Jahren vom AStA übernehmen und in Selbstverwaltung weiterführen soll. In Zusammenarbeit mit 30 Initiativen, die das traditionsreiche Gebäude in Zukunft weiter nutzen wollen, wird ab 15 Uhr ein Kulturprogramm aus Ausstellungen, Theateraufführungen, Podiumsdiskussionen und Workshops geboten.

Auch wir beteiligen uns an dieser Jubiläumsveranstaltung und präsentieren in Zusammenarbeit mit Pupille – Kino in der Uni e.V. um 17 Uhr ein Kurzfilmprogramm. Mit unserer Auswahl wollen wir einerseits dem Studierendenhaus Referenz erweisen, welches uns schon oft als Veranstaltungsort diente und das wir hoffentlich noch viele weitere Male bespielen dürfen, andererseits wollen wir auf die Schwerpunkte unserer Programmarbeit verweisen: den dokumentarischen, den experimentellen und den erotischen Film.

In Anlehnung an unsere vergangene Frankfurter Architektur-Reihe zeigen wir eine der historischen Semesterschauen, welche in den 1950er Jahren vom Filmstudio der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität realisiert und im Festsaal des Studierendenhauses vorgeführt wurden: Die Pupille Nr. 3 beginnt mit einem Rundgang durch das neu errichtete Studentenhaus – auch Ferdinand Kramer ist mit von der Partie – und enthält Szenen der feierlichen Einweihung am 21. Februar 1953. GESCHWINDIGKEIT von Edgar Reitz ist eine experimentelle Abhandlung dessen, wie Bewegung, Zeit und Vergänglichkeit (von Natur) unsere Wahrnehmungsweise verändern. Uns scheint dieser Film ein geeigneter Kommentar auf den Wandel (und ständig verschobenen Umzug) des Studierendenhauses. GEOGRAPHY OF THE HUMAN BODY verbindet Großaufnahmen von Körperteilen, männlichen wie weiblichen, mit einem im Off vorgetragenen ekstatischen Gedicht. Kein anderer US-Avantgardefilm der 1940er Jahre zeigt Nacktheit so offen und sinnlich. Wir beenden unser Programm mit dem Dokumentarfilm LES ENFANTS DE LA GUERRE der libanesischen Filmemacherin Jocelyne Saab, die darin eindrucksvoll den Auswirkungen des Libanesischen Bürgerkriegs auf die Kinder nachspürt. Jocelyne ist im Januar nach langer Krankheit gestorben. Bereits während unserer Retrospektive im April 2018 war sie angeschlagen, doch noch immer kraftvoll. Wir erinnern und gedenken einer kompromisslosen, mutigen und herzlichen Künstlerin.

 

Kurzfilmprogramm des Filmkollektiv Frankfurt um 17 Uhr:

  • Pupille, No. 3  (Deutschland 1951/1952; 7′; stumm; 16mm)
  • GESCHWINDIGKEIT (Deutschland 1963; Edgar Reitz: 13′; ohne Dialog; 16mm)
  • GEOGRAPHY OF THE HUMAN BODY (USA 1943; Willard Maas/Menken; 7′; OF; 16mm)
  • LES ENFANTS DE LA GUERRE (Libanon 1976; Jocelyne Saab; 10′; OmeU; 35mm)

 

Der Eintritt ist frei.

 

In Kooperation mit Pupille – Kino in der Uni e.V.
pupille_logo

Das Studierendenhaus im Frühling 1954
© Ivar Rabeneck
Wir danken Frau Lotte Rabeneck für die freundliche Überlassung dieses wundervollen Fotos.